Zitronenfalter brauchen keine Gore-Tex Jacken:

Zitronenfalter brauchen keine Gore-Tex Jacken
Zitronenfalter brauchen keine Gore-Tex Jacken
Im Naturpark:


Als klassische Boten des Vorfrühlings haben die Zitronenfalter schon einiges hinter sich: mindestens ein halbes Jahr Lebenszeit, Futterknappheit im Herbst und schließlich Überleben des winterlichen Frostes. Mit Paarung und Eiablage bringt es der Zitronenfalter auf das für heimische Tagfalterarten biblische Alter von fast einem Jahr. Viel Freude beim Beobachten der prächtigen „Methusalems“ in den Naturparken!


Nur die Harten kommen durch
Der Vorfrühling ist eine schmetterlingsarme Zeit. Neben dem Zitronenfalter ist lediglich eine handvoll an Arten aktiv. Sie heißen Kleiner und Großer Fuchs, Tagpfauenauge, C-Falter und Trauermantel. Diese Tiere ziert zwar nicht das auffällige Gelb, sie haben aber trotzdem etwas mit dem Zitronenfalter gemeinsam. Wie dieser haben auch sie den Härten des Winters als erwachsene Tiere getrotzt. Ohne schützende Baumhöhlen oder Keller hätten sie dabei jedoch keine Überlebenschance. Dem harten Winter auch bei tiefsten Minustemperaturen ohne schützendes Dach über dem Kopf zu trotzen, das schafft nur der Zitronenfalter. Er zeigt die mit Abstand größte Kältetoleranz. Die Tiere können als einzige mitteleuropäische Tagfalterart ohne Schutz, frei in der Vegetation, überwintern. Wie sie das zu Wege bringen ist schlichtweg faszinierend.

Alkohol ist der Sanitäter in der Not
Mit Hilfe von dreiwertigem Alkohol, dem Glycerin, Sorbit und Eiweißstoffen gelingt es ihnen den Gefrierpunkt der Körperflüssigkeiten derart zu senken, dass sie Temperaturen von bis zu minus 20 Grad schadlos überstehen können. Eine ähnliche Strategie wie wir sie als Autofahrer bei unserem Kühler- oder Scheibenputzwasser anwenden. Nur dass der Zitronenfalter und andere Insekten diese Technik schon seit Millionen Jahren in petto haben. Ohne diese geniale Anpassung würde bei tieferen Minustemperaturen das Wasser in den Zellen gefrieren, spitze Eiskristalle die feinen Zellorgane verletzen und damit die Funktion der Zellen zerstören. Später könnten auch die Zellen bersten. So wie ein Autokühler ohne Frostschutz. An warmen Wintertagen können die Falter kurzzeitig aktiv sein, in der Regel verharren sie aber an ihrem Platz und halten es sogar aus, wenn sie komplett von Schnee bedeckt werden. Überleben also ohne Gore-Tex Membran oder Daunenjacke! Sollten Sie übrigens an einem warmen Wintertag einen Zitronenfalter begegnen, lohnt auf jeden Fall ein Eintrag im Natur-Tagebuch! Wenn man jetzt wie Zitronenfalter oder Kleiner Fuchs so zeitig unterwegs ist, muss das seine Gründe haben. Wahrscheinlich wie so oft eine Frage der Konkurrenz. Die besten Karten hat man, wenn man kämpft oder ausweicht – im Fall des Zitronenfalters ins ganz zeitige Frühjahr. Survival of the Fittest eben, wie es so schön in der Evolutionstheorie heißt – am besten überleben die Angepasstesten und wie wir wissen müssen das nicht immer die Stärksten sein.

Nektar saugen und Kraft tanken
Bleibt die Frage was die Tiere in der kargen, blatt- und blütenarmen Phase des Vorfrühlings eigentlich zu fressen finden. Saure Gurkenzeit könnte man meinen. Doch ganz so schlimm ist die Sache nicht. Es stimmt zwar, dass im Vorfrühling nur die Harten durchkommen, aber auch zu dieser Zeit ist für Nahrung gesorgt. So labt sich der Zitronenfalter etwa an weiblichen Weidenkätzchen wo man ihn nektarsaugend beobachten kann, oder er wechselt in bodennäheres Terrain, und nascht an anderen Frühblühern wie Huflattich oder Löwenzahn. Später im Jahre steht der Nektar von Blutweiderich, Sommerflieder, Seidelbast, Flockenblumen, Witwenblumen, Wirbeldost, Natternkopf oder Heilziest auf seinem Speiseplan. Seine Raupen hingegen ernähren sich nur von den Blättern des Faulbaums oder Kreuzdorns und daher trägt die Erhaltung/Pflanzung dieser Pflanze wesentlich zum Überleben des Zitronenfalters bei!


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